Beilackierung

Beilackierung beim Fahrzeug lackieren

 

Geschichte des Autolackes

 

Die Entwicklung der Lackfarben und speziell die Farbvielfalt hat sich in den letzten Jahren immer mehr beschleunigt. Immer mehr Farbtöne und dazu noch weitere Farbeffekte erfreuen einerseits den Käufer eines Fahrzeugs, aber andererseits wird es nach einem Unfall immer schwieriger und aufwändiger den passenden Farbton im Lackierbetrieb nach zu mischen.
Über 90% der Neuzulassungen der letzten Jahre waren mit Metalliclack oder Effektlack lackiert.
Die Hersteller der Lacke brachten für die ersten Automobile nur 10 Farbtöne auf den Markt und heute sind es schon 40.000 Farbtöne und dazu kommen noch Farbeffekte wie Metalliclack, Pearleffektlack oder Chromaflairlack und andere Pigmentierungen. Durch verwenden von farbigen Spachtelmassen oder und Füllern, Klarlacken kommt es zu weiteren Abweichungen der sichtbaren Farbe und das mehrschichtige Lackieren verändert durch unterschiedliche Lackdicken auch noch geringfügig die Reflektion, so dass das menschliche Auge eine frisch lackierte Tür oftmals als einen anderen Farbton empfindet als die originallackierte Tür daneben, auch wenn mit dem gleichen Lack des Herstellers lackiert wurde. Selbst bei den Autoherstellern entstehen feine Farbunterschiede bereits bei der Produktion eines Serienmodells über die Jahre.

Farbtafeln VW und Sikkens

Farbtafeln VW und Sikkens

Änderung des Farbtones

Während bei einem Neuwagen der Lack noch fast genauso aussieht wie bei der Herstellung, so sieht es bei einem Gebrauchtwagen schon ganz anders aus. Auch ein junger Gebrauchtwagen mit wenigen Kilometern auf dem Tacho und einem nächtlichen Unterstellplatz, wie z.B. Garage oder Carport, hat einen noch frischen Lack, anders sieht es da bei einem Mietwagen oder Taxi aus. Das steht oder fährt ständig unter freiem Himmel und wird dadurch den Umwelteinflüssen ausgesetzt. Sonneneinstrahlung lässt den Lack schneller altern und ausbleichen. Frisch gestreutes Salz im Winter, Vogelkot und loser Schotter bei Straßenreparaturen rauhen die Lackoberfläche auf und damit wird der Lack anfälliger und wird stumpf, aber auch manche Autowaschanlagen hinterlassen feinste Kratzer im Lack und so wird der Lack von Tag zu Tag etwas mehr beschädigt, was wir als Altern bezeichnen und da das Altern des Lackes bei jedem Fahrzeug anders ist, ist auch der Farbton eines Gebrauchtwagen sehr unterschiedlich und muß individuell für jedes Fahrzeug bei einer Unfallreparatur nachgemischt werden.

Lackmischcomputer Sikkens

Lackmischcomputer Sikkens

Lackreparatur nach Schadensgutachten

Nach einem Unfallschaden entscheidet meist ein Schadensgutachter ob außer dem zu lackierenden Autoteil auch noch das benachbarte Teil mit anlackiert wird, um einen weichen Farbübergang zwischen altem und neuen Lack zu erreichen. Dies geschieht meist aus einem Bauchgefühl heraus, denn die meisten Gutachter sind keine gelernten Autolackierer und ihnen fehlt deshalb auch die praktische Erfahrung, wie schwer ein Farbton nach zu mischen ist. Deshalb gibt es anschließend oft Probleme bei der Entscheidung des Autolackierers, ob oder ob nicht Anlackiert wird. Schlußendlich entscheidet der Auftraggeber, also der Kunde oder das Versicherungsunternehmen des Kunden, was bezahlt wird und damit beginnt meistens das Problem. Wenn nun die Tür neu lackiert wurde und das Fahrzeug dem Kunden übergeben wird, dann wird immer öfter ein Farbunterschied zwischen altem und neuen Lack festgestellt und dann wird diskutiert wer daran Schuld sei und wer für die erneuten Lackierkosten aufkommt.
Ideal wäre eine gemeinsame Entscheidung von Gutachter und Lackierer.

 

Fachmännische Unfallinstandsetzung mit Lackieren und Beilackieren

Bei einer Unfallinstandsetzung vom Fachmann entscheidet der gerlernte Lackierer oder ein Lackiermeister anhand eines gespritzten Musterbleches, seiner Erfahrung und seinem Kenntnisstand über vorhandene Lackfarbtöne und der verwendbaren Lackiertechnik. Ob Beilackiert werden muß oder ob das zu erwartende Lackierergebnis dem originalem Lack so ähnlich ist, dass das menschliche Auge den feinen Unterschied nicht mehr feststellen kann, aber selbst dann kann es Notwendig sein, den Klarlack aus dem reparierten oder instandgesetzten Bereich heraus zu lackieren um harte Übergänge zu vermeiden, wie bei Teilen die keine direkte Abgrenzung besitzen, wie zum Beispiel eine eingeschweißte Seitenwand zur C- Säule / Dach .
Das Beilackieren wird in Fachkreisen als fachgerechtes Instandsetzungsverfahren zur Angleichung des Farbtones anerkannt.

Juristen und das Thema Beilackierung

Im Haftpflichtfall soll der Geschädigte vom Schadensverursacher schadlos gehalten werden, dass bedeutet, dass zum Beispiel das Fahrzeug wieder in den Zustand vor dem Unfall gebracht werden muß. Also auch die Farbe soll dem sonst unbeschädigten Teilen gleichen.
Der international anerkannte Lackexperte Diplom Ingenieur Hans-Peter Müller gibt in seinem Merkblatt „ Beilackierung „ eine Hilfestellung für die Schadenskalkulation und die Reparaturdurchführung für alle am Reparatur – und Lackierprozess beteiligten Versicherer und Schadensgutachter. Das Merkblatt wurde auch vom Verband der unabhängigen KFZ-Sachverständigen e. V. (VKS) und vom Bundesverband der freiberuflichen und unabhängigen Sachverständigen für das Kraftfahrzeugwesen e. V. (BVSK) geprüft und akzeptiert.